
Die rasante Entwicklung von KI bringt neue Haftungsregime, Unsicherheiten bei der Deckung und steigende Bedeutung von Regulierung (z. B. EU-KI-Verordnung). Fehler, Diskriminierung und Datenschutz sind zentrale Herausforderungen.
Jüngste technologische Fortschritte haben die Fähigkeiten von KI bzw. Artificial Intelligence (AI) und des maschinellen Lernens erheblich verbessert, das öffentliche Interesse geweckt und Unternehmen dazu ermutigt, KI in den täglichen Betrieb zu integrieren. Diese Fortschritte bieten Produktivitätsgewinne und wirtschaftliche Chancen, was zu Erwartungen an ein enormes Wachstum führt. Da sich die KI-Fähigkeiten jedoch weiterentwickeln, besteht die Notwendigkeit spezifischer rechtlicher Auflagen sowie strengerer Kontrollen durch menschliche Betreiber, und es werden Fragen der Verantwortlichkeit aufgeworfen.
Die OECD definiert ein KI-System als ein maschinenbasiertes System, das für eine bestimmte Aufgabe menschlich definierter Ziele Vorhersagen, Empfehlungen oder Entscheidungen treffen kann, die reale oder virtuelle Umgebungen beeinflussen.
KI kann in zwei Kategorien unterteilt werden:
Obwohl bisher noch keine echte AGI realisiert wurde, haben jüngste Fortschritte in Grundmodellen, wie grossen Sprachmodellen und Bildgenerierungsmodellen, angefangen, die Fähigkeiten zu übertreffen, die traditionell GenAI zugerechnet wurden.
Diskussionen über Sicherheit, Datenschutz und Ethik betonen die Bedeutung einer ordnungsgemässen Governance und Regulierung dieser Technologien, was zu einem wachsenden Bedarf an angepasster Regulierung führt.
KI, wie jede andere Technologie, hat das Potenzial zu versagen. Sie kann Leistungsstandards nicht erfüllen, unbeabsichtigt Vorurteile verstärken, anfällig für böswillige Angriffe sein oder tatsächlichen Schaden verursachen. Wo es Chancen gibt, die im Bereich der KI zahlreich sind, wird es immer auch damit verbundene Risiken geben.
Die Risikoexposition ist derzeit hauptsächlich auf einige wenige Sektoren beschränkt. Informationstechnologie ist der grösste, was nicht überraschend ist, da es das Feld ist, das KI-Systeme entwickelt. Mit der zunehmenden Verbreitung von KI werden sich diese Risiken auf verschiedene Sektoren ausbreiten. Für die Versicherer werden beispielsweise das Gesundheitswesen und die Pharmaindustrie aufgrund einer zu erwartenden Häufung von Schadenereignissen mit Körperschäden wichtige Sektoren sein. Andere Bereiche mit höheren Risiken sind kritische Infrastrukturen und Mobilität, da sie sich mit intelligenten Netzen und selbstfahrenden Fahrzeugen verändern, was zu häufigeren und schwerwiegenderen Unfällen führen kann.
Kurzfristig werden Ethik-, Vorurteils- und Datenschutzrisiken die Hauptbedenken sein. Wenn sich KI-Modelle etablieren, besteht die Gefahr, dass Fehler in der Datenspeicherung und -analyse integriert werden. Bereiche, die mit sensiblen persönlichen Daten arbeiten, wie Gesundheitswesen, Finanzen oder Recht, sind besonders gefährdet. Wenn anfängliche Probleme bei der Erstellung von KI-Modellen gelöst werden, wird das Produktrisiko zum grössten Problem.
Das Wachstumspotenzial von KI variiert je nach Region und Sektor, wobei in Bereichen mit höherem Automatisierungspotenzial oder in denen KI zugänglicher ist, eine schnellere Einführung erwartet wird. Wegen seines Potenzials wird GenAI als Emerging Risk im Versicherungsmarkt betrachtet. Die Ausgestaltung der Versicherungsdeckung, wie Deckungsumfang, Limiten, Ausschlüsse oder Geltungsbereiche wird für die Versicherer eine grosse Herausforderung darstellen.
Es gibt erhebliche regionale Unterschiede in der KI-Regulierung, wobei die meisten Gebiete bisher noch keine spezifischen Gesetze zur Regelung ihrer Nutzung haben.
Die EU-Richtlinie über Künstliche Intelligenz (KI-Richtlinie) sticht als die weltweit erste umfassende KI-Rechtsetzung seiner Art hervor. Der durch KI verursachte Schaden kann sowohl materiell als auch immateriell sein und physische, psychologische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Auswirkungen umfassen.
In den meisten Teilen der Welt besteht Unklarheit in Bezug auf KI und bestehende Haftpflichtregime. Darüber hinaus sind KI-Systeme stark von Daten abhängig und fallen oft unter bestehende Datenschutzgesetze. Während diese bestehenden Gesetze darauf abzielen, Konsumentinnen und Konsumenten zu schützen und die Verantwortlichkeit für durch Produkte (einschliesslich KI) verursachte Schäden sicherzustellen, stellen ihre grundlegend unterschiedlichen Ansätze zur Haftung eine Herausforderung für die Versicherer dar. Es wird entscheidend sein, wie Regulierungsbehörden, Rechtspraktiker und Interessengruppen klären, in welcher Form diese Rahmenbedingungen zusammenspielen, um Verwirrung zu vermeiden und einen wirksamen Schutz für von KI-Technologien betroffene Personen sicherzustellen.
Die KI-Richtlinie, die am 21. Mai 2024 in Kraft getreten ist, ist die weltweit erste umfassende KI-Rechtssetzung, welche KI-Systeme reguliert, um Verbraucherrechte und Sicherheit zu gewährleisten. Die KI-Richtlinie kategorisiert KI in vier Risikostufen und definiert Anforderungen für die Anwendung von KI. Der Entwurf der EU-Richtlinie zur KI-Haftung zielt darauf ab, die Entschädigung für KI-bedingte Schäden zu erleichtern, indem Schutzmassnahmen harmonisiert und eine Verschuldensvermutung für Hochrisiko-KI-Systeme eingeführt wird. Die überarbeitete EU-Produkthaftungsrichtlinie (PLD), die am 10. Oktober 2024 angenommen wurde, umfasst Software und KI-Systeme, ermöglicht die Vergütung für psychische Schäden und verlängert Verjährungsfristen. Die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die seit dem 25. Mai 2018 in Kraft ist, implementiert strengere Regeln für den Umgang mit personenbezogenen Daten und ergänzt die PLD.
Aufgrund der Komplexität des Themas wird es Zeit brauchen, adäquate Versicherungsprodukte zu entwickeln, welche spezifisch die Risiken von KI-Anwendungen abdecken.
Es herrschen noch viele Unsicherheiten über die sich entwickelnde KI-Haftpflichtgesetzgebung und andere relevante Regelungen und Vorschriften, die zu Fragen zu bestehenden, traditionellen Versicherungsdeckungen führen. Neue, massgeschneiderte Lösungen werden bereits in einigen Märkten entwickelt und angeboten.
Der durch die Anwendung von KI verursachte Schaden kann materiell oder immateriell sein. Verschiedene Exponierungen können durch verschiedene bereits bestehende Policen abgedeckt sein, da üblicherweise KI-Risiken weder ausdrücklich erwähnt noch explizit in der Police ausgeschlossen sind.
Um dies zu veranschaulichen, haben wir einige Beispiele zusammengestellt:
Versicherer sollten müssen die sich entwickelnde Risikolandschaft der KI sorgfältig überwachen, um sicherzustellen, dass ihre Policen die Deckungsabsichten in Bezug auf diese aufkommenden Exponierungen genau widerspiegeln. Unsicherheiten in Bezug auf KI-Risikobereiche könnten an Bedeutung gewinnen und eine genauere Überprüfung erfordern.
Der Zeithorizont für versicherte Ansprüche im Zusammenhang mit KI-Haftung wird voraussichtlich parallel zur Weiterentwicklung der Technologie und ihrer Anwendungen verlaufen. In unmittelbarer Zukunft wird der Schwerpunkt auf dem Verständnis und der Minderung von KI-Risiken liegen. Mit der zunehmenden Integration von KI in verschiedene Branchen wird erwartet, dass das Potenzial für langfristige Ansprüche steigt, insbesondere durch neue regulatorische Rahmenbedingungen, kombiniert mit strengeren Unternehmensverantwortlichkeiten und Anforderungen. Versicherer sollten wachsam bleiben, ihre Policen ständig überprüfen und diese der sich laufend verändernden Risikolandschaft anpassen.
Emerging Risks sind neuartige, zukunftsbezogene Risiken, die mit unscharfen Konturen am Horizont auftauchen: Ihre Eintrittswahrscheinlichkeit und ihr Schadenausmass sind noch nicht zuverlässig abschätzbar. Im Unterschied zu traditionellen Risiken entwickeln sich «Emerging Risks» dynamisch und über lange Zeiträume hinweg. Ihr volles Schadenpotenzial wird daher häufig erst spät – oder gar erst im Nachhinein – erkennbar.
In regelmässigen Abständen nimmt der SVV daher eine Einschätzung vor und analysiert die wichtigsten Trends und Herausforderungen für die Versicherungsbranche. Die Auswahl basiert jeweils auf technologischen, gesellschaftlichen und ökologischen Trends, regulatorischen Veränderungen sowie auf ihrer Bedeutung für das Underwriting. Die Absicht ist, Frühwarnsignale sichtbar zu machen, Orientierung bei künftigen Entwicklungen zu bieten und damit letztendlich Versicherer und Unternehmen in der Risikobewertung zu unterstützen.
Mehr zum Thema finden Sie hier oder auch in unserer Broschüre.
Süchtig machende Software und Social Media beeinflussen das Verhalten der Nutzer und schaffen neue psychische, gesellschaftliche und haftungsrechtliche Risiken.

Assistenzsysteme und (teil-)automatisiertes Fahren gewinnen an Bedeutung und bringen neue Herausforderungen bezüglich Sicherheit, Software‑Abhängigkeit und Haftungsverlagerung.

Zehn Emerging Risks erklärt: Relevanz für Haftpflicht- und Rückversicherung, Trends, Regulierungsdruck und Auswirkungen auf Underwriting und Risikomanagement.
