
Extremwetterereignisse nehmen zu, regulatorische Anforderungen steigen und Unternehmen sehen sich mit neuen Haftungsrisiken konfrontiert. Langfristige Schadenszenarien und internationale Regulierungen prägen die Risikolandschaft.
Extremwetterereignisse, wie Starkniederschlag und Waldbrände, treten heutzutage in Gebieten und in einem Ausmass auf, wie wir es in der Vergangenheit nicht beobachten konnten. Dies steht im Einklang mit den Klimamodellen, die weltweit mehr Extremwetterereignisse vorhersagen. Diese Ereignisse treffen dann gleichzeitig auf eine nicht-intakte Natur, was das Schadenausmass verstärkt.
Für die Zukunft sind sich Wissenschaftler einig, dass Kipppunkte im Bereich Klima und Natur erreicht werden können, die eine Bedrohung für die lebenserhaltenden Systeme unseres Planeten und die Stabilität unserer Gesellschaft darstellen.
Kipppunkte sind Schwellenwerte, deren Überschreiten zu abrupten und/oder irreversiblen Systemveränderungen führt, die global Wälder, Eisschilde, Permafrostböden, Korallenriffe oder Meeresströmungen betreffen. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass wichtige Kipppunkte bereits bei der derzeitigen Erwärmung «möglich» sind und innerhalb der im Pariser Abkommen festgelegten Spanne von 1,5 bis 2 °C Erwärmung «wahrscheinlich» werden könnten.
Das Auslösen eines Kipppunkts im Erdsystem könnte einen weiteren Kipppunkt auslösen und damit einen Dominoeffekt mit zunehmenden Schäden verursachen. Das Absterben des Amazonas, der Zusammenbruch von Eisschilden, das Auftauen von Permafrostböden, Änderungen der atlantischen meridionalen oder der antarktischen Umwälzzirkulation haben alle das Potenzial, sich auf die Wasser-, Lebensmittel- und Energiesicherheit, die Gesundheit, die Ökosystemleistungen, die Gemeinschaften und die Wirtschaft in der Schweiz auszuwirken.
Die Schweiz kann diese globalen Entwicklungen zwar nicht beeinflussen, spürt die negativen Auswirkungen in Form von extremen Wetterereignissen und anderen Ereignissen (Pandemien) in Zukunft aber mit grosser Wahrscheinlichkeit auch. Eine globale Erwärmung von 1,5°C würde in etwa einer Erwärmung von drei Grad in der Schweiz entsprechen. In diesem Szenario wird sich das Abschmelzen der Alpengletscher beschleunigen, und es wird in tieferen Lagen weniger Schnee geben. Generell wird es im Sommer – wenn die Landwirtschaft am meisten Wasser braucht – weniger und im Winter mehr regnen.
Da wir heute in einer polarisierten Welt leben, in der die notwendige internationale Zusammenarbeit zur Bewältigung negativer Entwicklungen zunehmend eingeschränkt wird, nimmt die Wahrscheinlichkeit solcher Schadenereignisse auch in der Schweiz zu.
Risiken für Infrastruktur, Eigentum und natürliche Ressourcen
Gesundheitliche Risiken
Geopolitische Risiken und Konflikte
Mehr Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit dem Klimawandel und der Natur aufgrund von Unternehmen, die für die Auslösung oder Mitwirkung an den oben genannten Ereignissen und Auswirkungen haftbar gemacht werden können und die Vorschriften zum Klimawandel nicht einhalten, nicht ordnungsgemäss offenlegen, ihre Produkte irreführend offenlegen oder klimabezogene Risiken nicht richtig handhaben.
Die Risikowahrnehmung war in der Vergangenheit auf Stufe der Regierungen und in der Zivilgesellschaft vorhandenda, was sich in den internationalen Konferenzen und Vereinbarungen zum Klima- und Biodiversitätsschutz gezeigt hat. Aufgrund von kriegerischen Auseinandersetzungen, Handelskriegen und der Änderung von politischen Prioritäten in einigen Ländern, sind die Themen jetzt nicht mehr im Fokus. Zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Artikels muss deshalb davon ausgegangen werden, dass die erzielten Fortschritte verloren gehen und weitere nicht mehr erreicht werden können.
Dies ist für die Schweiz wichtig, da die globalen Treiber der Klima- und Naturzerstörung ausserhalb der Schweiz liegen; die negativen Effekte, z. B. in Form von Extremwetterereignissen und Pandemien, sich aber – wie schon vorgängig im Text erwähnt – auch hier materialisieren werden. Die Schweiz kann nur noch auf diese Ereignisse reagieren, indem sie ihre eigene Vorsorge im Bereich Pandemie und Epidemie und im Bereich Erhaltung der Schutzwirkung gegen Extremwetterereignisse optimiert.
Im Bereich der EU sind verschiedene Regularien wichtig:
Alle diese Regularien definieren Auflagen, die Unternehmen in der EU erfüllen müssen und deren Nichteinhaltung unter Umständen nachfolgend eine Verletzung des Haftpflichtrechts darstellt.
Die Adaption der Gesetzgebungen innerhalb der Schweiz variiert stark und ist auch Änderungen unterworfen.
Haftpflichtversicherungsprodukte/ -deckungen, die betroffen sein könnten:
Da Klima- wie auch Umweltprozesse langsam ablaufen, liegt zwischen der potenziellen Schadenverursachung und der Materialisierung des Schadens in der Regel ein langer Zeitraum. Wissenschaftliche Erkenntnisse haben schon dazu geführt, dass lange zurückliegende schadenauslösende Ereignisse einem Verursacher zugeordnet werden konnten. Dies könnte in der Zukunft zu Haftpflichtansprüchen führen. Wenn Schadenabwehrkosten gedeckt sind, kann dies zu Kosten für Versicherer führen. Sollte der Versicherer aufgrund der langen Latenzzeiten die Deckung ablehnen, muss er sich auf die Klärung der Rechtslage vor Gericht einstellen.
Emerging Risks sind neuartige, zukunftsbezogene Risiken, die mit unscharfen Konturen am Horizont auftauchen: Ihre Eintrittswahrscheinlichkeit und ihr Schadenausmass sind noch nicht zuverlässig abschätzbar. Im Unterschied zu traditionellen Risiken entwickeln sich «Emerging Risks» dynamisch und über lange Zeiträume hinweg. Ihr volles Schadenpotenzial wird daher häufig erst spät – oder gar erst im Nachhinein – erkennbar.
In regelmässigen Abständen nimmt der SVV daher eine Einschätzung vor und analysiert die wichtigsten Trends und Herausforderungen für die Versicherungsbranche. Die Auswahl basiert jeweils auf technologischen, gesellschaftlichen und ökologischen Trends, regulatorischen Veränderungen sowie auf ihrer Bedeutung für das Underwriting. Die Absicht ist, Frühwarnsignale sichtbar zu machen, Orientierung bei künftigen Entwicklungen zu bieten und damit letztendlich Versicherer und Unternehmen in der Risikobewertung zu unterstützen.
Mehr zum Thema finden Sie hier oder auch in unserer Broschüre.
Die Kreislaufwirtschaft erfordert reparier- und recycelgerechtes Design und verändert Materialien und Prozesse mit Auswirkungen auf Produktsicherheit, Regulierung und Haftung.

Zehn Emerging Risks erklärt: Relevanz für Haftpflicht- und Rückversicherung, Trends, Regulierungsdruck und Auswirkungen auf Underwriting und Risikomanagement.

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