
Der Schweizerische Versicherungsverband SVV begrüsst den klaren Entscheid des Nationalrats, nicht auf die Eventualverpflichtung Erdbeben einzutreten. Nach dem gleichlautenden Entscheid des Ständerats ist die Vorlage gescheitert. Nun gilt es, die Bevölkerung für das schadenmässig grösste Naturgefahrenrisiko der Schweiz zu sensibilisieren und die private Absicherung gegen Erdbeben auszubauen. Die Privatassekuranz ist bereit, ihren Beitrag zu leisten.
Der Nationalrat hat am 30. September 2026 klar beschlossen, nicht auf die Vorlage «Einführung einer Kompetenz des Bundes im Bereich der Finanzierung der Behebung von Gebäudeschäden bei Erdbeben» (24.095) einzutreten. Nachdem bereits der Ständerat im Dezember 2025 gleich entschieden hatte, ist die Vorlage endgültig gescheitert.
Der SVV hat in den vergangenen Monaten wiederholt auf die Schwächen der Vorlage hingewiesen. Die EVV hätte keine verlässliche Lösung geboten, Erdbebenschäden finanziell abzusichern. Sie wäre eine nachträgliche, staatlich organisierte Zahlungsverpflichtung geblieben.
Für die Auslösung wäre ein hypothetischer, modellierter Gesamtschaden massgebend gewesen, nicht der Schaden eines einzelnen Gebäudes. Auch die von der nationalrätlichen Kommission vorgeschlagene Ereignisschwelle von 6 Milliarden Franken hätte daran nichts geändert. «Die EVV hätte keinen verlässlichen Versicherungsschutz geschaffen, sondern die Gebäudeeigentümerschaft erst nach einem Erdbeben zur Kasse gebeten. Das wäre bei einem Grossereignis kaum durchsetzbar gewesen», sagt Urs Arbter, CEO des SVV. Kommt hinzu: In dünn besiedelten Regionen wäre die Schwelle seltener erreicht worden als in städtischen Gebieten. «Ein Erdbeben unterscheidet nicht zwischen Stadt und Land. Die EVV schon», führt Arbter weiter aus.
Private Versicherungslösungen bieten demgegenüber vertraglich geregelten Schutz: Die Versicherten wissen in der Regel bereits vor einem Ereignis, welche Leistungen sie im Schadenfall erhalten. Zudem lassen sich Erdbebenrisiken über die internationalen Rückversicherungsmärkte breit verteilen. Damit wird ein wesentlicher Teil der finanziellen Folgen eines Grossereignisses international getragen, statt im schlechtesten Moment nachträglich der Grundeigentümerschaft auferlegt zu werden.
Mit dem parlamentarischen Entscheid ist das Risiko nicht kleiner geworden. Erdbeben weisen in der Schweiz das grösste Schadenpotenzial aller Naturgefahren auf. Gleichzeitig besteht weiterhin eine Versicherungslücke. Heute sind rund 21 Prozent der Gebäudewerte in der Schweiz gegen Erdbeben versichert. Das entspricht versicherten Gebäudewerten von rund 800 Milliarden Franken. Die Versicherungsdurchdringung hat sich seit 2014 mehr als verdoppelt und liegt in Kantonen ohne staatliches Gebäudeversicherungsmonopol im Durchschnitt bei über 35 Prozent. Im Wallis sind bereits mehr als 50 Prozent der Gebäudewerte versichert. Das zeigt, dass die Sensibilität in den sogenannten GUSTAVO-Kantonen grösser ist als in den Kantonen mit einem Gebäudeversicherungsmonopol.
Auf dieser Entwicklung will der SVV aufbauen. Er ist für Diskussionen offen, wie der Erdbebenschutz auf Basis bewährter Mechanismen im Elementarschadenbereich effizient und ohne Verdrängung weiterentwickelt werden könnte.
Der Schweizerische Versicherungsverband SVV ist die Branchenorganisation der Schweizer Privatversicherer. Mit rund 70 Mitgliedern – darunter global tätige Erst- und Rückversicherer sowie national ausgerichtete, spezialisierte Sach-, Lebens- und Krankenzusatzversicherer – vertritt der Verband über 95 Prozent der in der Schweiz erwirtschafteten Versicherungsprämien. Der SVV setzt sich für eine nachhaltige Entwicklung der Versicherungswirtschaft ein und fördert Lösungen, die zur Stabilität und Sicherheit der Schweizer Wirtschaft und Gesellschaft beitragen. Damit leistet die Privatassekuranz einen wichtigen Beitrag zum Wohlstand in der Schweiz. Die Branche zählt zu den produktivsten und wertschöpfungsintensivsten Wirtschaftszweigen des Landes und beschäftigt rund 50’000 Mitarbeitende.
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