
Zentrale Entwicklungen wie Third Party Litigation Funding, die überarbeitete EU-Produkthaftungsrichtlinie, Klimaklagen sowie neue technologische Risiken zeigen: Das Haftpflichtumfeld wird vielfältiger und anspruchsvoller. Referate zu klinischen Versuchen, Künstlicher Intelligenz, Luftfahrt und Geothermie verdeutlichten die wachsenden Anforderungen an Versicherer und die Praxis.
Am 19. Mai 2026 fand im Kursaal Bern die 25. Fachtagung Haftpflicht des Schweizerischen Versicherungsverbands SVV statt. Über 100 Fachpersonen nutzten die Gelegenheit, sich über aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen im Haftpflichtbereich auszutauschen.
Den Auftakt machte Lorenzo Natale, Präsident der Fachkommission Haftpflicht des SVV. In seinem Überblick zeigte er zentrale Entwicklungen auf, die das Haftpflichtumfeld prägen. Dazu zählen insbesondere die zunehmende Bedeutung von Third Party Litigation Funding, regulatorische Veränderungen wie die überarbeitete EU‑Produkthaftungsrichtlinie sowie der Anstieg von Klimaklagen. Er verdeutlichte die steigende Dynamik und Komplexität im Haftpflichtbereich.
Neue Risiken und technologische Entwicklungen
Mehrere Referate beleuchteten neue Risikofelder. Ueli Stalder, langjähriger Experte im Life-Science-Bereich bei Chubb, fokussierte auf die Versicherung von klinischen Versuchen. Er zeigte auf, welche besonderen Herausforderungen sich für Versicherer ergeben, insbesondere vor dem Hintergrund komplexer regulatorischer Anforderungen und hoher Ansprüche an Sicherheit und Wirksamkeit in der Entwicklung von Medikamenten.
Maryam Kashani, Senior Treaty Underwriter bei Swiss Re, stellte die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf Haftpflichtrisiken in den Mittelpunkt. Deutlich wurde, dass neue Technologien bestehende Risikoprofile verändern und sich daraus neue Fragen für Haftung, Regulierung und die Versicherungsbranche insgesamt ergeben.

Maryam Kashani beleuchtet KI Risiken.
Spezialisierte Märkte im Fokus
Weitere Referate widmeten sich spezifischen Segmenten. So gab Stefan Koller, Senior Underwriter Aviation bei Helvetia, einen Einblick in den globalen Luftfahrt-Haftpflichtmarkt. Die internationale Vernetzung, die Vielzahl beteiligter Akteure sowie die potenziell hohen Schadenssummen machen dieses Segment besonders anspruchsvoll.
Im Zusammenhang mit Geothermieprojekten zeigte Prof. Dr. Ina Ebert von Munich Re auf, dass die Nutzung von Erdwärme zwar ein wichtiger Bestandteil der Energiewende ist, gleichzeitig aber spezifische Risiken birgt. Im Fokus standen mögliche Schadenbilder, Haftungsszenarien sowie rechtliche Rahmenbedingungen für die Haftpflichtversicherung.

Den Abschluss machte Nationalrat Beat Flach.
SIA 118: Bedeutung für die Praxis
Zum Abschluss beleuchtete Nationalrat Beat Flach (SIA) die Bedeutung der Norm SIA 118 in der Praxis sowie die aktuellen Revisionen im Werkvertragsrecht. Dabei wurde insbesondere auf die Neuerungen bei den Mängelrechten und deren Auswirkungen auf Haftung und Versicherung eingegangen.
Die Tagung zeigte, dass das Haftpflichtumfeld durch eine wachsende Vielfalt an Risiken, steigende Komplexität und neue regulatorische Anforderungen geprägt ist. Der interdisziplinäre Austausch wurde von den Teilnehmenden intensiv genutzt.
Ein besonderer Dank gilt allen Referentinnen und Referenten für ihre fundierten Beiträge und die vielfältigen Einblicke. Die Fachtagung Haftpflicht bleibt eine zentrale Plattform für den fachlichen Austausch innerhalb der Branche. Der SVV freut sich bereits auf die nächste Durchführung im Jahr 2027.
Persistente PFAS reichern sich in Umwelt und Menschen an und stehen im Zentrum strengerer Regulierung und wachsender Haftungs- und Klagerisiken.

Aktuelle Gerichtsurteile und Umweltrisiken in Milliardenhöhe: Die 24. Fachtagung Haftpflicht zeigte, wie dynamisch und international komplex das Haftpflichtgeschäft heute ist.
Die Haftpflichtversicherung ist zwar nicht obligatorisch, hat aber trotzdem eine grosse Bedeutung. Vor allem dann, wenn Dritten Schäden zugefügt werden.
