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Inflation: ein zweischneidiges Schwert für Versicherer

Standpunkt
9. September 2026

Nach dem Inflationsschub der Jahre 2022 und 2023 hat sich die Teuerung in der Schweiz wieder deutlich normalisiert. Für Versicherer entlastet dies die Schadenkosten. Während sich der Kostendruck abschwächt, bleiben die Ertragschancen im Tiefzinsumfeld begrenzt. 

Nach dem durch die wirtschaftliche Erholung nach der Covid-19-Pandemie ausgelösten Inflationsschub von 2022 und 2023 hat sich die Teuerung in der Schweiz wieder deutlich abgeschwächt. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) erhöhte zur Bekämpfung der Inflation die Leitzinsen. Seit Anfang 2025 bewegte sich die Teuerung nahe null. Aufgrund höherer Energiepreise ist sie 2026 zwar leicht angestiegen, dürfte mit durchschnittlich 0,6 Prozent aber weiterhin im Bereich der Preisstabilität bleiben. Damit bleibt die Schweiz im Umfeld tiefer Inflation.

Insbesondere für Schadenversicherer hatten die Preissteigerungen der Vorjahre unmittelbare Folgen: Höhere Ersatzteil- und Baukosten führten zu steigenden Schadensummen und zusätzlichen Rückstellungen. Diese Effekte wirken teilweise nach, auch wenn die aktuelle Teuerung minimal ist.

Kostensteigerungen nur langsam weitergegeben

Die Versicherer können gestiegene Ausgaben nicht unmittelbar auf der Einnahmenseite ausgleichen, da Prämien nur verzögert angepasst werden können. Zudem besteht in vielen Sparten ein intensiver Wettbewerb. Kostensteigerungen können nicht ohne Folgen an die Kundinnen und Kunden weitergegeben werden. Der Wettbewerb hat dazu geführt, dass die Prämien für Sachversicherungen in den letzten Jahren tendenziell gesunken sind. Versicherungsprodukte kosteten gemäss Landesindex der Konsumentenpreise 2024 durchschnittlich 8,9 Prozent weniger als vor zehn Jahren.

Exemplarisch für diese Entwicklung sind die Motorfahrzeugversicherungen, die im Vergleich zu 2014 um 17 Prozent gesunken sind. Über denselben Zeitraum stiegen die Preise für Fahrzeugersatzteile und Zubehör um 5,9 Prozent. Der Ersatz von Einrichtungsgegenständen und Bodenbelägen kostete im Jahr 2024 5,6 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Die Versicherer spüren die Inflation also direkt, wenn der Garagist wegen eines teureren Ersatzteils eine höhere Rechnung stellt oder wenn der Ersatz eines Fensters nach einem Gewitter mehr kostet.

Angesichts gestiegener Schadenkosten wird derzeit mit steigenden Prämien gerechnet. Der intensive Wettbewerb setzt Prämiensteigerungen aber klare Grenzen. Die Versicherer müssen sich daher über differenzierte Produkte und Services von ihren Mitbewerbern abheben.

Zinsumfeld bleibt herausfordernd

Neben den Schadenkosten bleibt auch das Zinsumfeld ein wichtiger Einflussfaktor für die Versicherungswirtschaft. Nach einer kurzen Phase moderater Zinsen ist die Schweiz seit Mitte 2025 wieder im Nullzinsumfeld. Der SNB-Leitzins liegt nach wie vor bei 0 Prozent, die Rendite zehnjähriger Eidgenossen bei rund 0,44 Prozent (Stand 7. August 2026). Dies reduziert die Ertragschancen auf der Anlageseite und erschwert die Garantieverzinsung in der Lebensversicherung. Sollten Inflation und Zinsen längere Zeit tief bleiben, könnte dies die Nachfrage nach klassischen Lebensversicherungsprodukten weiter dämpfen.. 

Solvenzquote als Beweis für Resilienz

Auch für die Anlagetätigkeit der Versicherer würde eine erneute anhaltende Tiefzinsphase eine Herausforderung darstellen. Die Schweizerische Privatassekuranz verfügt jedoch über eine starke Kapitalbasis und risikoadäquate Anlagestrategien. So liegt die Solvenzquote per 31. Dezember 2024 mit durchschnittlich 246 Prozent deutlich über den gesetzlich geforderten 100 Prozent.