Taube landet bei anderen Tauben auf einer Stromleitung

Pilotstudie Arbeitspsychiatrie: Gemeinsam zurück an den Arbeitsplatz

Branchennews
20. August 2026

Psychische Erkrankungen führen oft zu langen Arbeitsausfällen und nicht selten sogar Stellenverlust. Mit einer Machbarkeitsstudie möchten der SVV, seine teilnehmenden Krankentaggeldversicherer, WorkMed und Compasso daher nun erstmals gemeinsam untersuchen, wie Behandlung, Case Management, Arbeitgebende und Betroffene sich besser koordinieren können, damit der Wiedereinstieg besser gelingt.

Wer wegen einer psychischen Erkrankung längere Zeit ausfällt, findet oft nur schwer zurück an den Arbeitsplatz. Denn je länger die Absenz dauert, desto schwieriger wird der Wiedereinstieg – und damit steigt auch das Risiko eines Stellenverlusts. Neben der Behandlung braucht es deshalb auch einen gut koordinierten Weg zurück in den Beruf.

In der Praxis ist dieser Weg jedoch bisher häufig wenig strukturiert: Betroffene, Behandlungspersonen, Arbeitgebende und Case Management stehen zwar alle vor derselben Herausforderung, stimmen sich aber nicht immer ausreichend ab. Oft fehlt der Kontakt sogar gänzlich, was den Arbeitsplatzerhalt deutlich erschwert.

Die erstmalige Machbarkeitsstudie des Schweizerischen Versicherungsverbands SVV, der teilnehmenden Krankentaggeldversicherer und WorkMed soll daher prüfen, wie diese Zusammenarbeit verbessert werden kann. Dazu bringt die Studie die zentralen Beteiligten an einen Tisch. Im Zentrum stehen ein gemeinsames Verständnis der Situation, klare Rollen und ein abgestimmter Plan für die Rückkehr an den bestehenden Arbeitsplatz.
 

Auf einen Blick

Ziel der Pilotstudie
Verständnis schaffen, ob und wie der berufliche Wiedereinstieg nach psychisch bedingten Arbeitsausfällen durch eine intensivere Koordination der Beteiligten im Prozess verbessert werden kann. 

Wer ist beteiligt?
Der SVV, die ihm angeschlossenen Krankentaggeldversicherer und WorkMed sowie die Universität Bern, welche die Studie wissenschaftlich begleitet. Im konkreten Leistungsfall wirken die versicherte Person, das Case Management, die Behandlungsperson und der Arbeitgeber beziehungsweise die Arbeitgeberin mit.

Wie läuft die Studie ab?
Zentraler Baustein der Studie ist mindestens ein gemeinsames Round-Table-Gespräch, das durch das Case Management organisiert wird. Im Rahmen der Evaluation mit Fragebögen werden Erfahrungen gesammelt bezüglich Klarheit im Wiedereinstiegsprozess, Zufriedenheit der Involvierten, Arbeitsplatzerhalt, Effizienz aber auch bezüglich Problemen und Hindernissen.

Umfang der Studie
Angestrebt sind 150 begleitete Fälle in rund anderthalb Jahren Studiendauer.

 

Kontakt
Bei allgemeinen Fragen zur Pilotstudie:

Patrizio Pelliccia, Fachverantwortlicher Schaden und Versicherungsmedizin
E-Mail: patrizio.pelliccia@svv.ch
Telefon: +41 44 208 28 10

Hinweis: Für fallspezifische Fragen ist die zuständige Case Managerin oder der zuständige Case Manager der Krankentaggeldversicherung die erste Ansprechperson.

So funktioniert es
 

  1. Interesse klären: Das Case Management des zuständigen Versicherers oder die Behandlungsperson klärt mit der versicherten Person und dem Arbeitgeber beziehungsweise der Arbeitgeberin das Interesse an einer Studienteilnahme.
     
  2. Behandlung einbeziehen: Anschliessend nimmt das Case Management Kontakt mit der zuständigen Behandlungsperson auf und bespricht eine mögliche Teilnahme.
     
  3. Gemeinsam planen: Das Case Management organisiert und moderiert ein Round-Table-Gespräch mit den Beteiligten. WorkMed bringt seine arbeitspsychiatrische Expertise ein und begleitet den weiteren Prozess fachlich.

Beim Round Table kommen die unterschiedlichen Perspektiven zusammen: die gesundheitliche Situation und mögliche funktionelle Einschränkungen, die Anforderungen und Möglichkeiten am Arbeitsplatz sowie die Erwartungen der versicherten Person und der weiteren Beteiligten. Ziel ist ein möglichst realistisches und gemeinsam getragenes Vorgehen für den Wiedereinstieg.

 

Wer macht was?

Versicherte Person

Die betroffene Person steht im Zentrum des Prozesses. Sie bringt ihre Situation und ihre Erwartungen ein und beteiligt sich an der Suche nach einem realistischen Wiedereinstieg.

Konkret:

  • Ein Round Table-Gespräch (ca. 90 Min.) mit allen Beteiligten
  • Kurzfragebogen (10 min) im Rahmen der Begleitevaluation

Case Management der Krankentaggeldversicherung

Das Case Management steuert und koordiniert den Prozess. Es bringt die Informationen der Beteiligten zusammen, organisiert und moderiert den Round Table und bleibt das Bindeglied zwischen den Beteiligten.

Arbeitgeberin oder Arbeitgeber

Die Arbeitgeberseite kennt die konkrete Arbeitssituation und bringt die betrieblichen Möglichkeiten und Anforderungen ein. Dazu gehören beispielsweise mögliche Anpassungen der Tätigkeit, des Pensums oder des Arbeitsplatzes sowie die Begleitung durch Vorgesetzte oder HR.

Konkret:

  • Ein Round Table-Gespräch (ca. 90 Min.) mit allen Beteiligten
  • Kurzfragebogen (10 min) im Rahmen der Begleitevaluation
  • ggf. Umsetzung der beschlossenen Massnahmen

Behandlungsperson

Die Behandlungsperson bringt die medizinische beziehungsweise psychotherapeutische Perspektive ein. Dazu gehören insbesondere die aktuelle Situation, die Arbeitsanamnese, die Beurteilung der krankheitsbedingten Funktionseinschränkungen und deren Bedeutung für die Arbeitsfähigkeit und den Wiedereinstieg.

Konkret: 

  • Ein Round Table-Gespräch (ca. 90 Min.) mit allen Beteiligten
  • Vorbereitung: Arbeitsbiographie, telefonischer Austausch mit dem Case- Management
  • Bei Bedarf: Kurzkontakte im weiteren Verlauf
  • Kurzfragebogen (10 min) im Rahmen der Begleitevaluation
  • Allfällige Mehraufwände können abgerechnet werden (KIMPA).

WorkMed

WorkMed verfügt über spezialisierte Expertise an der Schnittstelle von Arbeit und psychischer Gesundheit. Die Fachpersonen beraten die Beteiligten vor und während des Round Tables sowie bei Herausforderungen im weiteren Verlauf. WorkMed hat dabei eine beratende Rolle und keine Entscheidungskompetenz.

Schweizerischer Versicherungsverband SVV

Der SVV hat im Rahmen der Pilotstudie keine operative Rolle im konkreten Wiedereingliederungsprozess. Als Auftraggeber der Studie begleitet er das Projekt auf übergeordneter Ebene, unterstützt die Entwicklung und Auswertung der Erkenntnisse und trägt dazu bei, dass diese in die Praxis der Versicherungsbranche einfliessen können.

Voraussetzungen für eine Teilnahme

Eine Teilnahme setzt voraus, dass eine am Projekt teilnehmende Krankentaggeldversicherung involviert ist und, dass die betroffene Person grundsätzlich beabsichtigt, an ihren bestehenden Arbeitsplatz zurückzukehren. Das bedeutet, dass ihr Arbeitsverhältnis noch bestehen muss. Zudem braucht es die Bereitschaft aller Beteiligten, am gemeinsamen Wiedereinstiegsprozess mitzuwirken.

Idealerweise erfolgt die Aufnahme früh im Verlauf der Arbeitsunfähigkeit. Insgesamt darf die volle Arbeitsunfähigkeit für maximal neun Monate bestanden haben.

 

Datenschutz

Die Teilnahme setzt die Zustimmung der betroffenen Person voraus. Für die Vorbereitung des Round Tables kann WorkMed AG Falldaten inklusive medizinischer Unterlagen erhalten; diese Daten werden gemäss den gesetzlichen Vorschriften bearbeitet und geschützt. Die Einwilligung kann jederzeit widerrufen werden.

Die Evaluation der Machbarkeitsstudie erfolgt freiwillig und anonym. Die Teilnehmenden werden gebeten, keine Angaben zu machen, die Rückschlüsse auf Personen, Institutionen, Unternehmen oder konkrete Fälle ermöglichen. Die Rückmeldungen werden vertraulich und nicht fallspezifisch ausgewertet. Eine Zuordnung der digital (REDCap) eingereichten Fragebögen ist nicht möglich; ebenso wenig eine gegenseitige Verknüpfung der Fragebögen der verschiedenen involvierten Parteien. Die eingereichten Daten werden auf einem Server der Universität Bern gespeichert.

Kontakt

Bei allgemeinen Fragen zur Pilotstudie:
Patrizio Pelliccia, Fachverantwortlicher Schaden und Versicherungsmedizin
E-Mail: patrizio.pelliccia@svv.ch
Telefon: +41 44 208 28 10

Für fallspezifische Fragen ist die zuständige Case Managerin oder der zuständige Case Manager der Krankentaggeldversicherung die erste Ansprechperson.