
Mit dem Insurance Compass Switzerland lanciert der Schweizerische Versicherungsverband SVV eine jährliche quantitative Übersicht zur Schweizer Privatassekuranz. Die neue Publikation bündelt zentrale Kennzahlen, ordnet strukturelle Entwicklungen ein und zeigt: Versicherer sind ein bedeutender Stabilitätsfaktor für Wirtschaft und Gesellschaft – als Risikoträger, Investoren, Arbeitgeber und Anbieter langfristiger Sicherheit.
Wer über Versicherungen spricht, spricht häufig über Prämien. Seltener geht es darum, welche volkswirtschaftliche Leistung hinter dem Versicherungsschutz steht: wie viele Risiken Versicherer tragen, wie viel Kapital sie investieren, wie viele Arbeitsplätze sie schaffen und wie stark sie zur Stabilität von Wirtschaft und Gesellschaft beitragen. Genau diese Gesamtsicht will der neue Insurance Compass Switzerland des Schweizerischen Versicherungsverbands SVV künftig jährlich bieten.
Die neue Publikation schafft daher einen Überblick über zentrale Kennzahlen, Trends und strukturelle Entwicklungen der Schweizer Privatassekuranz. Sie verbindet quantitative Daten mit einer qualitativen Einordnung und macht sichtbar, welche Rolle Versicherer im Wirtschaftssystem übernehmen – im Alltag der Versicherten ebenso wie als Teil des Finanzplatzes und als langfristige Investoren.
Der Insurance Compass richtet sich an Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in Wirtschaft, Politik und Verwaltung. Ziel ist eine aktuelle, verständliche und belastbare Gesamtsicht auf die Branche. Die Publikation stützt sich auf öffentlich verfügbare Statistiken, regulatorische Daten sowie eigene Berechnungen des SVV.
Sichtbar wird in der Gesamtsicht des Insurance Compass die Breite und Bedeutung der Branche: 195 Versicherungsunternehmen sind in der Schweiz ansässig und von der FINMA beaufsichtigt. Sie erwirtschafteten 2025 eine nominale Bruttowertschöpfung von 26,6 Milliarden Franken. Inklusive versicherungsnaher Tätigkeiten lag die Wertschöpfung 2024 bei 31,4 Milliarden Franken.
Langfristig weisen die Versicherungen ein höheres reales Wachstum auf als die Gesamtwirtschaft. Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate der Bruttowertschöpfung liegt bei den Versicherern im Zeitraum von 2005 bis 2024 bei 3,1 Prozent und damit über jener des Bruttoinlandprodukts von 2,0 Prozent. Treiber dieser Entwicklung sind insbesondere die Schaden- und Unfallversicherung sowie versicherungsnahe Tätigkeiten.
Auch als Arbeitgeber ist die Branche bedeutend: Mehr als 44’000 Vollzeitstellen entfallen direkt auf Versicherungsunternehmen. Gleichzeitig zählt die Versicherungswirtschaft zu den produktivsten Branchen der Schweiz. Mit vergleichsweise schlanker Beschäftigungsbasis leistet sie einen überproportionalen Beitrag zur Wirtschaftsleistung: Mit rund 500’000 CHF Wertschöpfung pro Vollzeitstelle entspricht die Arbeitsproduktivität dem 2,6-Fachen des gesamtwirtschaftlichen Durchschnitts.
Besonders sichtbar wird der Nutzen von Versicherung dort, wo Risiken konkrete finanzielle Folgen haben: nach einem Unfall, bei Krankheit, nach einem Naturereignis, bei einem Haftpflichtschaden oder im Todesfall. 2024 zahlten die Privatversicherer im Durchschnitt 238 Millionen Franken pro Tag für Schaden- und Rentenfälle aus.
Diese Leistungen stabilisieren nicht nur einzelne Haushalte und Unternehmen. Sie schützen auch wirtschaftliche Wertschöpfungsketten und tragen dazu bei, dass Risiken für Wirtschaft und Gesellschaft tragbar bleiben.
Versicherer übernehmen nicht nur Risiken, sie stellen der Volkswirtschaft auch Kapital zur Verfügung. 2024 waren die Schweizer Privatversicherer mit 526 Milliarden Franken am Kapitalmarkt investiert. Ihre Anlagen sind langfristig ausgerichtet und dienen dazu, Verpflichtungen gegenüber den Versicherten zuverlässig erfüllen zu können.
Damit sind Versicherer wichtige institutionelle Investoren. Sie stellen Kapital für Staaten, Unternehmen, Immobilien, Infrastruktur und weitere langfristige Finanzierungen bereit – immer unter der Voraussetzung, dass Sicherheit, Risikotragfähigkeit und Rendite im Interesse der Versicherten austariert bleiben.
Der Insurance Compass macht auch deutlich: Die Versicherungswirtschaft ist keine homogene Branche. Die einzelnen Sparten stehen vor unterschiedlichen Herausforderungen.
In der Nichtlebensversicherung prägen steigende Bau-, Reparatur- und Gesundheitskosten sowie Naturgefahren die Entwicklung. Für 2025 erwartet der SVV im Nichtlebengeschäft ein Prämievolumennwachstum von 3,0 Prozent; besonders stark wächst die Schadenversicherung mit 4,4 Prozent.
In der Lebensversicherung zeigen sich strukturelle Verschiebungen. Während das Einzelleben wächst, bleibt das Kollektivleben durch demografische Entwicklungen, Kapitalmarktbedingungen und regulatorische Vorgaben unter Druck. Dennoch bleiben Lebensversicherer ein zentrales Element der zweiten und dritten Säule.
Die Rückversicherung wiederum unterstreicht die internationale Bedeutung des Standorts Schweiz. Rückversicherer übernehmen grosse Risiken, diversifizieren sie global und schaffen zusätzliche Kapazität für Erstversicherer, Unternehmen und Staaten. Rund 78 Prozent der Schweizer Versicherungsdienstleistungsexporte entfielen 2024 auf die Rückversicherung.
Über alle Sparten hinweg zeigt der Insurance Compass: Versicherbarkeit entsteht nicht von selbst. Sie braucht solide Kapitalisierung, risikogerechte Prämien, wirksame Prävention, funktionierende Märkte und verlässliche Rahmenbedingungen.
Die Schweizer Versicherer sind robust kapitalisiert. Die durchschnittliche Solvenzquote lag Anfang 2025 bei 246 Prozent und damit deutlich über der regulatorischen Mindestanforderung. Gleichzeitig nimmt die regulatorische Komplexität zu. Entscheidend bleibt deshalb eine Balance zwischen wirksamem Schutz, Verhältnismässigkeit und internationaler Anschlussfähigkeit.
Mit dem Insurance Compass schafft der SVV eine neue Grundlage für den Dialog über die Rolle der Versicherungswirtschaft – und darüber, welche Voraussetzungen nötig sind, damit Versicherungsschutz auch künftig breit verfügbar, tragfähig und innovativ bleibt.
Der Insurance Compass Switzerland ist eine jährliche Publikation des Schweizerischen Versicherungsverbands SVV zur wirtschaftlichen Bedeutung und Entwicklung der Schweizer Privatassekuranz. Er bündelt zentrale Kennzahlen, ordnet strukturelle Entwicklungen ein und macht sichtbar, welche Rolle Versicherer als Risikoträger, Arbeitgeber, Investoren und Stabilitätsfaktor für Wirtschaft und Gesellschaft übernehmen.
Die Publikation stützt sich auf öffentlich verfügbare Statistiken, regulatorische Daten sowie eigene Berechnungen und Darstellungen des SVV. Zu den wichtigsten Quellen zählen die FINMA, das Bundesamt für Statistik BFS, das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO, die Schweizerische Nationalbank SNB und BAK Economics.
Die erste Ausgabe des Insurance Compass Switzerland erschien im Juni 2026. Sie umfasst einen Überblick über den Schweizer Versicherungsmarkt sowie separate Kapitel zu Nichtlebensversicherungen, Lebensversicherungen und Rückversicherungen.
Die Schweizer Privatversicherer verzeichneten im Jahr 2025 gemäss Zahlen des SVV erneut ein erfreuliches Wachstum des Prämienvolumens.

Der Versicherungsmarkt ist hart umkämpft. Im Jahr 2024 rangen 195 Privatversicherer in fünf Versicherungszweigen um die Gunst der Versicherten.

Im «Bericht über den Versicherungsmarkt» fasst die FINMA die Daten zum Geschäftsgang der von ihr beaufsichtigten Versicherungsunternehmen zusammen und gibt einen Überblick über die Branchenkennzahlen.
